Das Leben im Tanzunterricht gelernt
Ein Zitat aus dem englischen von Royston Maldoom (engl. Choreograf, der bei dem Film, Rhythm is it! mitgearbeitet hat.
Heute schreibe ich seit langem mal wieder aus meiner Praxis als Tanztherapeutin.
In einer Einheit gebe ich der Gruppe die Aufgabe, geht nur eine gerade Linie und keine Kurven, statt dessen benutzt Wendepunkte.
Sofort zerfällt die Gruppe in zwei Lager. Die einen die sich freudig an die Umsetzung machen und gar nicht hinterfragen, sondern froh sind, eine einfache Anweisung erhalten zu haben.
Die andere Gruppe „meutert“. Sie findet die Aufgabe doof, langweilig, was soll das denn?
Ich bitte sie trotzdem diese Aufgabe umzusetzen.
Was kann ich sehen. Alle beginnen. Aus der ersten Gruppe, bleiben ein paar strikt bei der Anweisung und gehen die graden Wege und nutzen die Wendepunkte unaufhörlich. Andere wiederum beginnen mit der Anweisung, dann wird ihnen langweilig mit der simplen Ausführung und sie beginnen zu experimentieren. Sie gehen rückwärts, wenden den Seitschluss -seit- Schritt an, variieren das Tempo, benutzten die Arme und erforschen, was sich mit ihrem Körper auf einer Linie so alles verwirklichen lässt. Die aufgeschlossenen aus der zweiten Gruppe, lassen sich inspirieren von der zweiten Gruppe und beginnen freudig mit zu improvisieren. Und ja es gibt auch eine kleine Menge, die bleibt beim Widerstand.
Was hat das mit dem Leben zu tun? Das Leben gibt oft den Takt vor. Will sagen es gibt Ereignisse oder Konstellationen in unserem Leben die suchen wir uns nicht aus (die gerade Linie). Das Leben oder die Lebensumstände lassen sich nur schlecht kontrollieren. Aber wir können mit den Bedingungen, die wir haben umgehen. Wir können das Leben gestalten und wir können uns beherrschen (die Gestaltung des Weges auf der geraden Linie). Sich einlassen (Akzeptanz), aber wach bleiben und die Möglichkeiten sehen und ergreifen. Dann ist das Leben (die gerade Linie) nicht mehr eng, sondern vielfältig und gleichzeitig, können wir immer zu dem Gehen auf gerader Linie zurückkehren und uns darin ausruhen.
Da wird die gerade Linie zum tragenden Werkzeug und nicht mehr das einengende Element.
Die Gestaltung einer Aufgabe, eines Lebensabschnittes obliegt uns.
Das habe ich im Tanzunterricht gelernt und das gebe ich sehr gerne weiter an alle die offen sind auf der Tanzfläche fürs Leben zu lernen.



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